5.Tag: das Ohr

Ohren_Performance
JAAAAA, ich gebs ja zu – ich bin eine Ohr-Fetischistin! Der Header für diesen Kurstag stammt nicht aus dem Kurs selber, sondern aus der Performance-Reihe „Stirb, bevor du stirbst!“, die ich 2013 mit Stephan Lanius gemacht habe. Für jeden einzelnen Performance-Abend entstand da ein Ohrbild in Acryl, das im Verlauf der Performance mit einem Messer zerschnitten wurde – und von mir später mit verschiedenen Methoden wieder „geheilt“ – also genäht, geklebt, ge—-jetzt aber zurück zum PortraitWorkshop!

Das Ohr wird bei Portraits immer gern übersehen, links liegen gelassen, vernachlässigt oder schlicht weggelassen – es ist aber nicht nur eine sehr faszinierende Form, sondern NATÜRLICH ist es auch für ein gutes Portrait wichtig.

 

Christine_Ohren
in mehreren Versuchen tastet sich Christine an die verschlungenen Formen des menschichen Ohres heran – mit verschiedenen Rötelstiften und weißem Kreidestift ( verschiedene Härtegrade). Teilweise verwendet sie auch Formlinien, um die Plastizität der „Ohr-Landschaft“ zu klären.

Heute befassen wir uns also mit dem Ohr. Wir studieren nach Fotovorlagen die absolut nicht triviale Form, erstmal in der Aufsicht – und damit die Finger frisch bleiben, auch wieder mit einer anderen Zeichentechnik: Rötelstift, und Rötelstift in Kombination mit Weißkreide auf grauem Papier, also eine Variation von Chiaroscuro.

 

 

 

 

Am besten geht das direkt an der Staffelei…

Ohr_Übung_Henny
Hier studiert die Zeichnerin ihr eigenes Ohr – nach einer leicht vergrößerten Fotovorlage. Sie verwendet braune und weiße Zeichenkreide. Leichter ist es, wenn man zuerst die dunklen Partieen arbeitet, erst danach ( sparsam) Weiß einsetzt. Ein erfahrener Zeichner kann auch beides parallel verwenden. Kreidezeichnungen muß man natürlich am Ende fixieren, wenn sie haltbar sein sollen.

Falls du, geneigter Leser und Betrachter, hier gern aktiv werden magst: das nächste Bild ist die Zeichenvorlage, mit der du das selbst gleich mal ausprobieren kannst!

 

Ohr_ZeichenVorlage
Zeichne das Ohr entweder einfach mit Bleistift, oder falls zur Hand, gleich mit Rötel und Kreide. Falls dich der Übermut reitet: greif dir einfach irgendwelche Stifte, die dir zufällig aus deiner Materialsammlung entgegenspringen, und machs damit!

Und hier im nächsten Bild der Beweis: eine Selbstportraitskizze von mir, also darf ichs harsch kritisieren…die Zeichnung wäre ja soweit ganz nett, aber dieser Kringel von Ohr verschandelt einfach alles! Ok, wenns schnell gehn soll, dann leidet halt manchmal das Detail, aaaaaabeerrr….!

Selbstportrait_dreiviertel
Aus meinem Selbstportrait-Skizzenbuch (Yasumin Sophia Lermer – hab ich eigentlich irgendwo auf diesem Blog schon mal erwähnt, wie ich heiße? Nee,oder? ). Diese Zeichnung ist übrigens zwischen 2 Spiegeln entstanden – so kann man live ein Selbstportrait zeichnen, auf dem man sich von der Seite sieht. Jedenfalls: alles ganz nett soweit, Portraitähnlichkeit, Licht und Schatten, hübsche freie Farbgebung (zufällig gegriffene Stifte) —— aber dieses blöde Ohr, sowas geht einfach nicht! Also Leute: üben, üben, damit euch sowas nicht passiert, und ihr schnell seid mit den richtigen sparsamen Strichen für ein flottes Ohr!
VanGoghSelbstportrait-Ohr
Ok – so wie hier Vincent van Gogh in seinem „Selbstportrait ohne Ohr“ kann man es natürlich auch lösen….  😉  😉  😉

 

 

 

Trotzdem läutet dieses Beispiel die letzte Workshop-Phase ein: morgen setzen wir alle bisher trainierten Formen zusammen, und zeichnen das ganze Gesicht!

 

—–

 

 

 

Nach der Mittagspause zeichnen wir wieder draußen in freier Wildbahn ( Café und Park) – es geht jetzt immer besser mit der schnellen Skizze.

Im Park sitze ich nochmal 2 längere Stellungen Modell: das gibt den Zeichnerinnen Gelegenheit, noch einmal zu trainieren, die richtigen Proportionen hinzukriegen:

  • mit Messen der Richtungen und Größen,
  • mit gedachten und gezeichneten Hilfslinien…
  • außerdem befassen wir uns noch mit Schatten: den Schatten als Form sehen.
Modell am Brunnen_Christine
Zeichnung von Christine: gut gesetzte Schattenbereiche – es bleiben nur wenige Lichtbereiche in dieser Schräg-Gegenlicht-Situation. Die großflächigen Schatten haben etwa die gleiche Helligkeit, aber beachte: der kleine schmale Schatten unter dem Po ist sehr dunkel –> das ist fast immer so, und bewirkt, daß ein Gegenstand ( könnte auch eine Orange sein oder ein Buch) gut geerdet wirkt und wirklich auf dem Untergrund aufliegt. Gut auch das dunkle Gekritzel, das den hellen Hut durch den starken Hell-Dunkel- Kontrast noch heller erscheinen läßt. Und zwar nur dort, wo die Zeichnerin es haben möchte, sie MUSS JETZT DAZU BITTE NICHT BRAV DEN GANZEN HINTERGRUND AUSMALEN!!! DANKE!!
Farbskizze-am-Brunnen_Christine
Hier in dieser Farbskizze macht sich Christine die Licht- und Schattenbereiche direkt mit Farben bewußt. Das Wahrnehmen von Schattenformen ist was vom Wichtigsten für reduzierte, flotte und trotzdem überzeugende Menschengestalten ( mit Bleistift, aber auch mit Aquarell oder Marker)

 

 

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