Portrait- Zeichentreff am Bildschirm

zur Zeit trifft man ja nicht so leicht ein lebendiges Portrait-Modell ... es gibt aber doch gute Möglichkeiten, 
sich zum Zeichnen zu treffen-- und am Bildschirm nach lebendem Modell zu zeichnen

Sehr witzig und anregend: wir treffen uns per Zoom/Webex/Skype zum Zeichnen- dann sieht man sich doch, ratscht, zeichnet, experimentiert…und kommt auf ganz neue Möglichkeiten!

beim Zeichentreff per Bildschirm ergeben sich teilweise völlig neue Möglichkeiten: durch die Linse gibt es ganz schräge Größenverhältnisse: die Teetasse wird riesig und rückt als surreales MuschelObjekt in den Vordergrund..

ich zeichne manchmal gern mit wilder Mischtechnik, in der alles vorkommt, was grad zur Hand ist: hier außer Bleistift und Aquarellstiften noch weißer und blauer Lackstift, Tinte aus Zwiebeln gekocht, Leuchtfarbe



man kann ja auch am Bildschirm miteinander essen — aber vor allem fand ich es lustig, Claudia beim Essen zu zeichnen… die Skizze heißt jetzt „Saturn verschlingt seine Kinder“ ( frei nach Goya ;-))

Beim BildschirmZeichentreff gehen sogar manche Sachen, die leibhaftig nicht gehen: zB mit Bildschirmfoto/Screenshot arbeiten— hier: ich kann mir zwischendurch einen Screenshot machen von Claudia beim Essen– und danach fröhlich mit ihr ratschend sie zeichnen… in genau dieser Haltung könnte kein Modell lange bleiben. Also eigentlich zeichne ich hier nach Foto — aber doch ist es wesentlich lebendiger, die ganze Situation…! Mit Foto + lebendem Modell

Das ist also was, was man gut nützen kann in der corona-bedingten kontaktfreien Zeichen-Zeit: per spontanen Sreenshots kann frau das Modell auch in lebendigen, schnappschuß-haften Stellungen oder Situationen zeichnen: beim Essen, beim Lachen, oder auch mit zurückgelegtem Kopf oder in ganz extremen, in den Raum gedrehten Stellungen….—>> dieses Experiment steht für heute abend an!

Viel Vergnügen beim ausprobieren!

Yasumin

PS: ich freue mich auch, wenn du deine Ergebnisse schickst oder Erfahrungen beschreibst!

Zeichnen im Café – von Portrait bis Comic

„Ich bin des trocknen Tons nun satt….!“, sagt schon mein alter Freund Mephisto – und mir geht´s heut auch so. Daher sind die angekündigten Übungen verschoben, und ich hab heute Lust, einfach mal ein paar flotte Skizzen aus der freien Wildbahn  zu zeigen.

Aus dem letzten Crashkurs Portrait und Figur zeichnen hat sich entwickelt, daß wir uns ab und zu im Café treffen, zum Austauschen und zusammen zeichnen.  Das ist für mich ein super Genuß, denn da bin ich nimmer Lehrerin, sondern habe einfach Teil an einer kleinen sehr anregenden Peers-Group, die gegenseitig Skizzenbücher anschaut, ratscht und Kaffee trinkt – und dann aber auch sehr schnell den Übergang findet zum aktuellen Dranbleiben und flott und fesch und experimentell herumzeichnen.

Was super ist: wenn wir so als kleine Gruppe da sind (strategisch auf zwei Tische verteilt, so daß wir uns auch gut gegenseitig zeichnen können) – dann ist es sehr leicht, wie nebenbei und unbemerkt auch andere Leute/Gäste zu zeichnen. Das ist alleine schwieriger – „wieselhaariger“ würd ich da auf bayrisch sagen…

Also das ist die Situation, und hier kommen die Bilder:

Claudia_Valley700
Naja, frau übt halt so vor sich hin… Claudia zeichnet, und ich zeichne sie wild drauflos beim zeichnen…die Farben im Haar sind ein bißchen zu gleichmäßig verteilt, mehr flächig konzentrieren!

Das Café heißt übrigens Dankl, und ist an der Ecke Valleystraße (falls jemand in München ist und mal reinschaun/ reinzeichnen will). Es ist super geeignet, weil große Fenster -> angenehm hell. Lockere Atmosphäre, interessant gemischte Besucher, und meist nicht so voll. Und extrem köstlicher Kaffee!

Christine_modellt700
Noch beim Warmzeichnen, man merkt, daß die Hand noch ein bißchen steif is – zumindest ich merke das. Aber so fängts halt an, jedesmal wieder neu annähern, eintauchen, flüssig werden. Bleistift und Fineliner, irgendwer hat faszinierende Leuchtstifte hingelegt, Buntstifte, Kugelschreiber, Rohrfeder und Tusche.

Leider check ich noch nicht, wie frau es macht, daß die Bilder hier im Blog nur klein angezeigt werden, und beim draufklicken groß werden – falls mir das jemand sagen könnte, wär toll, danke!

Teresa_mit-Schal700
Teresa, Teresa, Teresa!…So, jetzt flutschts – ab hier beginne ich mich wohl zu fühlen und im Flow… wir haben alle möglichen Werzeuge und Stifte am Tisch, jede kann einfach zugreifen und ausprobieren- ich liebe diese Mischung aus Allem, was sich anbietet…hier: Rohrfeder und farbige Tusche, rosa Marker, Filzer, Aquarellstifte.

Teresa trinkt Kaffee700
Teresa trinkt – und ich schlürfe das Punktemuster auf ihrem Schal, schlürfe es mit der Rohrfeder, mit brauner und blauer Tusche, dickem Filzstift und irgendwas Rotem…

Dicker_Filzstift700
Ich liebe die hohen hellen Fenster in diesem Café! – und an der Zeichnung die etwas brutale Mischung aus dickem Filzstift und dem andern Kleinkram…

Assyrer_liest-Dschungelbuch_vor700
Hier hat ein Papa am nachbartisch, von dem ich irgendwie aufgeschnappt habe, daß er „Assyrer“ ist, seinem Kind aus dem Dschungelbuch vorgelesen. Daher die Schlange Kaa, die sich durch das Bild ringelt.

Ich mag diese Mischung: eine Szene, die frau in der Wirklichkeit beobachtet, abzubilden beginnt – und in die Bildwirklichkeit mischt sich dann aber auch, was so an Gedanken und Ideen rumgeistert… wie hier die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch – der Ast ist aber wirklich von dem Baum vor dem Fenster draußen…

Und an diesen dicken schwarzen Filzstift könnt ich mich gewöhnen…..

 

 

Schatten im Portrait für expressive Farben nützen!

dancing-bliss1
Yasumin Sophia Lermer: „dancing bliss“   Acryl auf Rupfen, 150 x 170 cm

Der Schatten macht ein Portrait nicht nur plastisch, und die charakteristischen Formen der Schatten spielen neben den Hauptproportionen nicht  nur eine wichtige Rolle für die Portraitähnlichkeit – den Schatten kann man auch für die expressive Farbgebung nützen. Wie, das möchte ich euch heute gern näherbringen!

Ganz links dieser Reihe:  eine SW- Version von „dancing bliss“ (ich habe einfach per Photoshop die Farben herausgenommen).

Mitte: hier habe ich die Hell-dunkel-Kontraste verstärkt, damit es dir leichter fällt, die Formen der Lichter und Schatten zu sehen.

rechts das Original: im Vergleich kannst du sehr gut erkennen, daß ich in die Schattenbereiche alle möglichen Farben hineingepfeffert habe, die mit der Natur nichts zu tun haben, sondern eher der Ausdruck von Gefühlen sind, d.h. die Farben sind hier eher expressiv verwendet. Trotzdem wirkt das Gesicht glaubhaft und auch plastisch. Und das kommt eben daher, daß ich die natürlichen Tonwerte in der farbigen Umsetzung beibehalten habe.

Tonwerte??? Was´n das eigentlich?

Tjaaaaa, eigentlich ein seltsames Wort, genaugenommen finde ich es auch nicht wirklich gut – aber es ist halt mal so eingeführt als Fachwort, und ein anderes gibt es nicht für den gleichen Sachverhalt…. AAAAaaaalso:

Der Tonwert ist die Graustufe. Hihi! So?!

Also, alle wach? –>Der Tonwert ist die reine Helligkeit oder Dunkelheit einer Farbe (oder einer Graustufe). Um den Tonwert einer Farbe zu finden, stellt man sie sich quasi als Schwarzweiß-Foto vor – dann hat man die reine Helligkeit, (egal ob es grün oder rot oder blau ist). Das heißt: völlig unterschiedliche Farben können den gleichen Tonwert haben! – wenn sie gleich hell sind.

Graustufen-Tonwertskala

Eine gute Übung zum Sehen-lernen des Tonwerts einer Farbe: Mische dir aus Schwarz und Weiß eine Abfolge von Hell nach Dunkel in etwa gleich großen Abstufungen. Das können 15 sein wie in der Reihe oben – aber für den Anfang tuns auch weniger. Dann schneidest du dir aus Karton 20 kleine Kärtchen aus, im gleichen Maß wie deine Graustufen.  Mische dir jetzt unterschiedlichste Farben an und bestreiche jeweils ein Kärtchen mit einer Farbe.

tonwerteHennyBeate350
Henny und Beate ordnen die Farben ihrer jeweiligen Graustufe zu… Beate schaut hier nicht umsonst so verkniffen: das ist eine gute Möglichkeit, um die Helligkeit einer Farbe besser einschätzen zu können!

Und jetzt legst du die Kärtchen neben deine Grau-Skala: genau dort, wo du die Farbe und das Grau als gleich hell empfindest – und staune! daß leuchtendes Rot auf der gleichen Stufe landen kann wie sanftes Grün, da schmeißt so manche erstmal vom Hocker! Wie die meisten Dinge im Leben macht auch diese Übung zu zweit oder mehreren noch mehr Spaß – mach das doch mal mit einem Freund oder Freundin zusammen! Oder in deiner Malgruppe…

 

 

 

 

Ein weiteres Phänomen spielt hier eine Rolle, um besser zu verstehen, wieso man gerade in den Schatten eines Portraits ( oder jedes anderen Objekts natürlich auch) so gut andere Farben mit einbauen kann. Sprich, warum gerade hier die „künstlerische Freiheit“ in der Farbgebung so plausibel rüberkommt:

 

Die Farbigen Schatten

sind für mich eines der immer wieder faszinierendsten Phänomene überhaupt. Hier hat sich ein wunderschönes eindrucksvolles Beispiel zufällig während eines Bäume-Workshops ergeben: der rote Anorak der linken Zeichnerin warf eine starke farbige Reflexion auf die neben ihr stehende…

Ich habe kein bißchen mit Photoshop oder sonstigen optischen Aufhellern nachgeholfen- if anything, dann war es in Wirklichkeit sogar noch stärker!

Zur Verdeutlichung nochmal in groß, links mit roter Reflexion, rechts ohne:

Wo ist es rot? dort, wo Carmen dem roten Anorak zugewendet ist – klar, auf der rechten Seite natürlich nicht. Aber, und weniger selbverständlich: besonders dort, wo an ihrer Gestalt DUNKLE BEREICHE, SPRICH SCHATTEN  sind! Die hellen Stellen sind weit weniger beeinflußt! Die Schatten werden einerseits leicht aufgehellt (klar, es kommt ja zusätzliches Licht hin), andererseits ganz umwerfend gefärbt!

Und jetzt noch ein besonders schönes Detail:

Die GRÜNE Reflexion der sonnenbeschienenen Wiese auf der Unterseite von Carmens Arm! Siehst du sie? den schmalen grünen Streifen?

 

Carmen-grünArmDetailfarbige-Reflexion-CarmenArmDetail

 

hier nochmal groß ohne das Rot

 

 

 

Und hier wieder mit—

Naaaa, klingelts?

hier mischen sich: die grüne Reflexion der Wiese + die rote vom Anorak, Carmens natürliche Hautfarbe.

 

ich finde das so phantastisch, daß ich hüpfen und springen könnte!

Was ich besonders faszinierend finde: der grüne Widerschein des sonnenbeschienenen Grases unten am Arm – ist das nicht toll, im Kontrast mit dem leuchtenden Rot??

oder vor Freude und Begeisterung in die Hände klatschen!

Versuch das doch mal selber:  Lege neben  einen Gegenstand einen anderen, der eine intensive Farbe hat – beobachte die farbige Reflexion, den farbigen Schatten. GENIESSE ihn! Besonders gut funktioniert auch: schau in den Spiegel und halte ein intensiv farbiges Tuch neben dein Gesicht.

Farbgenuß beim Wahrnehmen der Wirklichkeit! Juhu und immer wieder!!

Und versuch das bewußt in deine Zeichnungen einzubringen: erst die beobachteten Farben dann aber auch die frei erfundenen!

—–

Im nächsten Beitrag gibts dazu noch etwas Übungsmaterial…

bis dann, habts gut, wer und wo auch immer!

Yasumin

 

Crashkurs Portrait und Figur zeichnen – Büchertisch/ Literaturliste

Im diesem Kurs über das Zeichnen von Portraits und das flotte Skizzieren von Menschen haben wir Bücher aus drei hauptsächlichen Sparten verwendet: Anatomie, Zeichenlehrbücher und Künstlerbücher. Teilweise haben wir in Partner-oder Gruppenübungen gemeinsam damit gearbeitet – teilweise waren sie auch einfach da, um zwischendurch zusätzliche Impulse zu geben.

Büchertisch-Portrait

Ich möchte euch hier noch eine Liste der wichtigsten im Portrait-Workshop verwendeten Literatur geben, jeweils mit kurzen Kommentaren.

Anatomiebücher:

1.Das Wichtigste ( und auch hier im Bild) ist „der Bammes“: 

Gottfried Bammes:  „Die Gestalt des Menschen“ Lehr- und Handbuch der Anatomie für Künstler.

Ein Standardwerk, an dem du immer wieder deine Freude hast, wenn du dich künstlerisch mit dem menschlichen Gesicht und Körper befasst. Sehr solide und ausführlich, dabei nicht zu medizinisch. Sehr gute erklärende Texte ergänzen das (zugegebenermaßen etwas altmodische) Fotomaterial und erklärende Zeichnungen, die anatomisch wissend, aber sehr gut auf den künstlerischen Bedarf zugeschnitten sind.

2. Sobotta: „Atlas der Anatomie des Menschen“

Toll und phantastisch, wenn du es ganz genau wissen willst, und von innen her verstehen – aber nicht wirklich notwendig zum Zeichnen

3. Szunyoghi/Fehér: „Anatomische Zeichenschule„.  Mensch, Tier, vergleichende Anatomie.

Der Titel Zeichenschule ist nicht wirklich gerechtfertigt (dieser Anteil ist sehr klein und nicht wirklich instruktiv) – aber das Buch ist eine gute Ergänzung zum Bammes, da natürlich jeder wieder andere Aspekte erwähnt. Zwei Drittel des Buches (!) befassen sich mit der Anatomie der Tiere (behandelt werden neben Pferd, Hund und Katze auch Schwein, Affe, Schaf, Bär, Hirsch, Rind, Kamel und Löwe) – d.h. wenn dich neben der Gestalt des Menschen auch der Vergleich mit den Säugetierverwandten interessiert, ist dieses Buch besonders interessant. Der Vergleich von menschlicher und Tierischer Gestalt/ Physiognomie ist auch für angehende Karikaturisten und Animatoren sehr inspirierend!

Zeichenlehrbücher, Portraitlehrbücher:

 1.Betty Edwards „Garantiert Zeichnen lernenSelten gab es einen dümmeren Titel für ein besseres Buch!! ( engl. Originaltitel: „Drawing from the artist within/ Drawing on the right side of the brain)  Die Übungen von Betty Edwards sind wirklich enorm nützlich ( für Zeichen-Anfänger und wenn du das Gefühl hast, nicht wirklich weiterzukommen).  Gerade die Übungen zu Portrait und Händen sind für jemanden, der auch zuhause und allein die Disziplin zum Üben hat, super! Das Buch ist unter Kunsterziehern zurecht ein Evergreen!

2. William Maughan: „Drawing The Head“ : Phantasisch, super, sehr informativ! Auch überzeugende Zeichnungen des Autors, die weit über das bloße Erklären hinausgehen. Damit meine ich, daß es mich auch künstlerisch überzeugt, nicht nur von den Zeichen-Fertigkeiten her.

3. Suzanne Brooker: „Portrait Painting Atelier“: wie der Titel sagt, führt das Buch zur Malerei – es hat aber auch einen seeehr guten Teil über anatomische Gegebenheiten im Gesicht, sehr detailiert behandelt es auch Licht und Schatten.

Es ist kein Zufall, daß ich hauptsächlich Lehrbücher aus dem englischsprachigen Bereich verwende – warum auch immer, die habens einfach drauf! Es gibt jede Menge deutsche Bücher zum Portraitzeichnen – aber ich finde quasi alles peinlich dilettantisch und halbscharig. Wer was Gutes weiß, möge mir gern widersprechen!

3. Künstler-Bücher

1. Xenia Hausner: Kampfzone   Yes, Yes und Yes! für mich die interessanteste zeitgenössische Portraitistin überhaupt. Unbedingt sehenswert. Xenia ist eine gute Antwort auf die Frage: was will ich eigentlich im Zeitalter der Fotografie von einem Portrait? Das Buch ist leider erstens teuer und zweitens sowieso dauerhaft vergriffen. Dankenswerterweise gibt es „Kampfzone“ und auch andere Werke von Xenia Hausner in der Bibliothek. ( Zumindest in München, ähm)

2.Pfisterer/von Rosen ( Hrsg): Der Künstler als Kunstwerk. Viele interessante Beispiele von Selbstportraits, also wie ZeichnerInnen/MalerInnen verschiedener Zeiten sich selbst gesehen/inszeniert haben.

3.Ernst Rebel (Hrsg): Selbstporträts. Siehe 2

Ganz banal hat uns im Vergleich der Bilder auch interessiert: wie geht der/die einzelne Künstler mit den Formen des Gesichts um? Nase? Mund? Augen?

zB: gibt es in den Augen bei Xenia Hausner Glanzlichter? Fast nie – und was bewirkt das? Schließlich haben wir im Kurs gelernt, wie man „richtige“ Glanzlichter setzt, und wie lebendig dadurch ein Auge wirkt. Da ist es doch interessant, sich zu überlegen, warum so eine tolle Künstlerin sie nun einfach wegläßt – hat sie keine Ahnung? Hm, nö, da müssen wir uns wohl eine bessere Begründung einfallen lassen!! Schau dir doch mal Bilder von Xenia im Internet an, und schreibs gern hier in den Kommentar, wenn dir was Gutes dazu einfällt!

 

 

 

6. Tag : Portraitübungen für das ganze Gesicht, Schattenformen sehen

Selbstportrait_blau.-transform
Ein Selbstportrait, das ich mal vor Jahren zu Übungszwecken gezeichnet habe – es kann gut verdeutlichen, um was es heute am letzten Workshoptag geht: Die Proportionen eines ganzen Gesichts finden ( und zwar ohne Foto, nur im Spiegel) – und die Formen eines relativ stark kontrastierenden Schattens finden und nutzen.

Am Vormittag setzen wir nun die Einzelformen Auge, Nase und Mund zusammen und üben dabei Gesichtsproportion und Zeichentechnik. Jede Zeichnerin hat einen Spiegel neben der Staffelei und zeichnet ein Selbstportrait nach Spiegel. Ich helfe jeder individuell beim Auffinden der richtigen Proportionen – diese sind ja neben den charakteristischen Formen an Auge, Nase und Mund der  Schlüssel zur Portraitähnlichkeit.  Weiterlesen „6. Tag : Portraitübungen für das ganze Gesicht, Schattenformen sehen“

5.Tag: das Ohr

Ohren_Performance
JAAAAA, ich gebs ja zu – ich bin eine Ohr-Fetischistin! Der Header für diesen Kurstag stammt nicht aus dem Kurs selber, sondern aus der Performance-Reihe „Stirb, bevor du stirbst!“, die ich 2013 mit Stephan Lanius gemacht habe. Für jeden einzelnen Performance-Abend entstand da ein Ohrbild in Acryl, das im Verlauf der Performance mit einem Messer zerschnitten wurde – und von mir später mit verschiedenen Methoden wieder „geheilt“ – also genäht, geklebt, ge—-jetzt aber zurück zum PortraitWorkshop!

Das Ohr wird bei Portraits immer gern übersehen, links liegen gelassen, vernachlässigt oder schlicht weggelassen – es ist aber nicht nur eine sehr faszinierende Form, sondern NATÜRLICH ist es auch für ein gutes Portrait wichtig.
Weiterlesen „5.Tag: das Ohr“

Portrait und Figur zeichnen 3. Tag : die Nase

Allmählich wird auch das grobe Konzept dieses Workshops klar:

Jeden Tag am Vormittag theoretisches Input und betreute Übungen im Atelier: dabei befassen wir uns zunächst mit den einzelnen Formen im Gesicht.

Und jeden Nachmittag gehen wir los und skizzieren frei an verschiedenen Orten in Sendling – dabei erlebt man auch diesen schönen Münchner Stadtteil neu. Wir üben dabei, wie man sich rasch auf eine neue Zeichensituation einstellt, das Material und das Format wählt, und spontan und frisch und fesch draufloszeichnet.

Heute ist die Nase dran, meiner Ansicht nach das am Schwierigsten zu Bewältigende.

 

Nase-Formschraffur
Zu dieser Art zu zeichnen gibt es weiter unten noch eine Übungsabfolge!

Die Nase hat eine für jeden Menschen sehr charakteristische Form, das heißt sie ist wichtig für die Portrait-Ähnlichkeit. Das gilt natürlich für jedes Feature im Gesicht, aber die große Herausforderung an der Nase ist, daß diese charakteristische Form sich kaum mit Kontur-Linien erfassen läßt, sondern größtenteils mit der Form der sie definierenden Schatten erreicht wird!

Die Nase muß man als plastische Form verstehen. Dazu

  • betasten wir unsere eigene Nase in einer angeleiteten „Nasenmeditation“
  • erarbeiten uns aus Büchern einiges anatomisches Wissen über den Gesichtsschädel
  • modellieren unsere Nasen gegenseitig als Partnerübung in Plastilin

    Nase_modellieren-web
    Partnerübung (kannst du aber genausogut auch vor dem Spiegel machen!): gegenseitig die Nase des Gegenübers modellieren. Dabei entwickelst du ein besseres Gefühl für die plastische Form der Nase. Wir verwenden hier Bildhauerplastilin „Münchner Mischung“.

    Dieses Nasenmodell aus Bildhauerplastiln ist blind entstanden, das heißt: nur nach tasten an der eigenen Nase. Wenn du diese Übung machen willst, kannst du dich auch rein auf die Nase selbst beschränken, und Nasenwurzel und Oberlippe weglassen. Für mich ist es immer eine Versuchung, weiter und weiter „anzubauen“.

     

    Dieses Nasenmodell ist nach Spiegel modelliert. Material für alle Modelle: Bildhauerplastilin „Münchner Mischung“

    Anatomie: was für Teile hat eigentlich die Nase? wo ist Knochen drunter, und wo nur Knorpel? Wie heißt das Teilchen zwischen Mund und Nase ( Philtrum)

    Nase_Anatomie-web
    Die Anatomie der Nase erarbeiten wir gemeinsam aus verschiedenen Büchern ( Hier im Bild der gute alte Bammes: „Anatomie für Künstler“) und mit unserem Schädelmodell.

    Dann gehen wir noch an den Spiegel auf der Staffelei und jede zeichnet ihre eigene Nase. Eine Übung dazu: Die Landschaft der Nase und ihrer Umgebung im Gesicht mit Formlinien wiedergeben.

Nase_Formlinien
1. Übungsschritt (links): versuche die Landschaft der Nase rein mit Linien plastisch zu machen. Folge dabei jeder Wölbung – ein bißchen ähnlich wie ein Drahtmodell. Kämpf dich durch, auch wenn die Zeichnung, die dabei entsteht, kein bißchen „schön“ ist! Es ist einfach eine Erkenntnis-Übung ( –> „Formlinien)“

1. Übungsschritt (links): versuche die Landschaft der Nase mit rein mit Linien plastisch zu machen. Folge dabei jeder Wölbung – ein bißchen ähnlich wie ein Drahtmodell. Kämpf dich durch, auch wenn die Zeichnung, die dabei entsteht, kein bißchen „schön“ ist! Es ist einfach eine Erkenntnis-Übung ( –> „Formlinien)“, ca 20 min

2. Übungsschritt ( rechts): behalte die Richtungen der Formlinien bei – aber mach sie dort dichter, wo du dunkel/Schatten siehst, und lichte sie dort auf ( bis hin zu völligem Weglassen), wo du hell/Licht siehst!  ca 30 min

Nun beginnen die Richtungen der „Formschraffur“ und Licht und Schatten zusammenzuwirken, und eine differenzierte plastische Wirkung hervorzurufen.

Am Nachmittag:

Zeichensession im Naturbad Maria Einsiedel

Der Plan ist, daß ich meinen Zeichnerinnen für einige längere, ausführliche FigurZeichnungen Modell sitze. Dabei geht es um ganz klassische Inhalte; die Achsen von Armen, Beinen, Mittelkörper und Kopf zu finden, die Perspektive zB von geknickten Beinen zu bewältigen, den Körper erstmal als einfache Grundelemente auffassen. Aber auch: die Form des Schattens sehen! 

Das Setting im Bad ist in jeder Weise ideal ( außer daß sie an dem heißen Augusttag auch sau-angenehm ist… wenn eine müde wird, braucht sie nur kurz ins kalte Isar-Wasser hüpfen und wupps! ist sie wieder frisch und einsatzbereit……das gilt auch für das Modell! Merke: Künstler müssen nicht immer leiden!)

  • das Modell hat zwar einen Bikini an, aber die Funktion vom Aktzeichnen wird da ja genauso erfüllt
  • man kann natürlich nicht einfach sich vor Leute hinsetzen und sie zeichnen – aber problemlos kann eine statt auf mich zu schauen auch mal nette Schnappschuß-Skizzen aus dem Augenwinkel zeichnen von anderen Badegästen
  • ich kann wichtige anatomische Sachen sehr einfach an meinem eigenen Körper zeigen und erklären

Bad_Skizze.jpg
Also jetzt möchte ich schon mal betonen, daß ich nicht so fett bin! Ok, und jetzt wieder sachlich: Christine hat hier verschiedene Hilfsmittel angewendet, um die richtigen Proportionen zu finden, was siehst du?

In der Skizze oben hat Christine Hilfsmittel verwendet, um die richtigen Proportionen und Richtungen zu finden. Die Hilfslinien dürfen natürlich bei so einer Skizze gern sichtbar bleiben – das ist ja gerade interessant, weil es dem Betrachter zeigt, wie die Zeichnerin denkt und sich in der räumlichen Wirklichkeit orientiert:

  • an wichtigen Gelenken gibt es eine Markierung : das heißt, sie hat meinen Körper erstmal wie eine Gliederpuppe oder ein Strichmännchen betrachtet, hat die Achsen der einzelnen Arme und Beine gesehen und teilweise eingezeichnet, und markiert, wo ein Gelenk ( Knick) ist
  • sie hat wichtige Punkte miteinander verbunden, um besser wahrzunehmen, wie sie räumlich zueinander angeordnet sind.( zB. die rechte Ferse mit einer fast waagrechten Linie zum linken Knie)
  • Sie hat an der fertig konstruierten Figur mit grober Schraffur ( man nennt das „45 Grad- Schnellschraffur“ – das ist einfach das, was den meisten von uns am flottesten aus der Hand fließt) die Schatten markiert.

 

 

Skizze_Christine_Bad-Maria-Einsiedel.jpg
Auf dieser Skizze sieht man was TOTAL WICHTIGES!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!ES ist SO WICHTIG und HILFREICH, und dabei SO SIMPEL, daß man eigentlich gleich noch eine Zeile !! einfügen müßte!  DIE BLINDZEICHNUNG!!  Das heißt in diesem Fall: du läßt der „ernsthaften“ Zeichnung oder Skizze eine kurze Phase vorangehen, wo du nur auf das Modell schaust, aber nicht auf dein Zeichenpapier. Und dann läßt ohne optische Kontrolle deinen Zeichenstift dem folgen, was du siehst, in ganz groben Zügen. ( du kannst das sogar auch einfach mit dem Finger in der Luft machen). Dadurch bekommst du intuitiv eine besere räumliche Vorstellung von deinem Motiv, und es fällt dir dann viel leichter, es einigermaßen stimmig zu zeichnen.

 

Und hier noch einige freiere Zeichnungen, die  an diesem wunderschönen Nachmittag im NaturBad Maria Einsiedel entstanden sind:

Bikinifiguren_im_Bad_Claudia1000
Mischtechnik von Claudia Hiepel. Die Bikini-Formen sind einerseits für die Komposition ein wichtiges Element – andererseits waren sie auch die Ankerpunkte beim Figur – „Hinwerfen“: erst die Form und Anordnung des Bikinis sehen+zeichnen. Dann die Körperteile flott und ungefähr dazusetzen. (Ein bißchen so wie bei dem Setting mit Hut am ersten Tag)

 

Skizze_im_Bad-mit-Krokodil1000
Bleistift, Aquarell und Stifte, von Claudia Hiepel. Das Krokodil ist nicht ganz frei erfunden…. es ist mein geliebtes Schwimmtier-Kroko, an dem ich mein Wohlgefallen habe… muß immer mit beim Baden und hier auch beim Modellsitzen.

Crashkurs Portrait und Figur zeichnen, 1. Tag: Das Auge 2. Tag: der Mund

auge_zeichnen_nordbad1 Kopie
Eine meiner Studentinnen erforscht zeichnend das menschliche Auge. An der Skulptur vor dem Münchner Nordbad kann man besonders gut auch die Ansicht des Auges von der Seite in verschiedenen Blickwinkeln studieren.

Ich unterrichte leidenschaftlich gerne Zeichnen, finde das eine der sinnvollsten Tätigkeiten, die ich kenne. Meine Übungen designe ich großenteils selber, da ich das meiste, was so in Kursen und Büchern angeboten finde, sau-trocken und langweilig finde. Ich habe natürlich die Grundlage eines Kunstpädagogik-Studiums – aber außerdem fließen vielfältige andere Erfahrungen mit rein. Zum Beispiel aus einer Tanz-und Performance-Ausbildung bringe ich die Neigung mit, jede Workshop-Einheit mit einem kleinen Warm-Up zu beginnen.

1. Workshop-Tag, 14. August 2017

Leichter Einstieg in die Proportion des menschlichen Gesichts: ein halbes Foto vervollständigen, 15-30 min

halbesgesicht_beate-1000_cut
Das halbierte Foto gibt Beate die relative Höhe von Stirn, Augen/Brauen, Unternasen-Linie, Mund und Kinn vor. Die Proportionen sind für jede Portraitzeichnung der wichtigste Schlüssel. Außerdem ist es interessant, wie gut hier das zeichnerische Übertragen gelingt – du zeichnest ja nicht wirklich, was du siehst, sondern dein Hirn kehrt es ins Spiegelbild um!

Dann setzen wir uns an den runden Tisch und gehen gleich mal in medias res und zeichnen Augen, so richtig simpel per „how to- Anleitung“, um da ein bißchen die Scheu zu verlieren.

 Das Auge

ist viel easier als man erstmal denkt. Ich will jetzt nicht die einzelnen Schritte aufzählen, das ist ja kein Tutorial hier, lieber zeig ich euch ein Skizzenblatt aus dieser ersten Runde:

Augen_Claudia-Hiepel
Skizzenblatt einer Kursteilnehmerin aus der ersten gemeinsamen Runde – wobei ich mir hier garnicht anmaßen will, daß du das alles bei mir gelernt hast, Claudia ;-))

 

Danach erobern wir uns das Ateliergelände, Park und Hof , und lernen uns gegenseitig und die Umgebung zeichnend kennen. (Ich finde das sowieso gut, und sollte man viel öfter einfach mal so machen: herumwandeln und mit ganz kurzen Skizzen eine neue Umgebung wahrnehmen… den Baum, die Bank, den Brunnen, die Wand… und Conny am Baum lehnend, Christine am Tisch, Teresa auf der Parkbank…

ChristineReindl_Figur-mit-Hut
Sehr schnelle Figur- Skizzen im Park-Gelände rund um unser Atelier, dienen sowohl zum ersten gegenseitigen  Kennenlernen als auch dazu, daß wir uns diese neuen Räume erobern. Jede Teilnehmerin wählt sich einen Ort und eine Haltung, und sitzt uns anderen 5 min Modell. Daß jede einen Hut oder sonst eine witzige Kopfbedeckung dabei hat, ist kein Zufall: das gehört mit zum Setting

Die Übung dazu ist: jede hatte die Aufgabe, einen Hut oder sonst eine kreative Kopfbedeckung mitzubringen: diese setzen wir jetzt auf, und jede darf auf unserm gemeinsamen Zeichenspaziergang 1x einen Ort für sich wählen, und steht oder sitzt dort 5 min Modell für die andern. Sooo klein mit Hut….Und alle andern, egal auf welchem Level man zeichnerisch gerade ist, tut einfach sein oder ihr Bestes und skizziert 5 min das „Modell“.Die Hüte helfen dabei gut, einen Anfang zu finden:  an den Hutlinien kann ich mich festhalten, sie als „Kristallisationspunkt“ verwenden, und die Skizze von Gesicht und Gestalt „daranhängen“.

Am Nachmittag zeichnen wir dann in freier Wildbahn

im Café Gans am Wasser ( am See im Westpark München)

Das ist mit das Ziel des Kurses: neben den puren Zeichen-Skills auch die Fähigkeit zu vermitteln, sich schnell zeichnend auf eine Situation einzustellen. Und vor allem auch die Scheu dabei zu verlieren – oder positiv ausgedrückt: das Selbstvertrauen dafür zu entwickeln.

Das Setting für die erste Runde ist: jeweils 2 Zeichnerinnen bekommen „Pause“. Sie dürfen sich Kaffee und Zubehör holen, und 20-30 min essen, trinken und ratschen – dabei also nicht statuenhaft „Modell sitzen“, sondern natürlich bleiben, aber in EINER grundsätzlichen Haltung . Alle anderen positionieren sich drumherum und beginnen die beiden Kaffee-Modelle zu zeichnen.

1.Tag, Café am See
Das Café Gans am See bietet uns mit seiner wunderschönen offenen Atmosphäre eine sehr unterstützende Umgebung für unsere ersten Skizzen-Übungen für Portrait und Figur „in freier Wildbahn“ — es ist ein Genuß!!  Obwohl es sehr heiß ist, sind wir den ganzen Nachmittag konzentriert dabei. Und um die Hüte vom Vormittag sind wir jetzt auch froh…

Zeichnerin1_Skizzenbuch_Seecafe
Diese entspannte Wachheit teilt sich auch den Zeichnerinnen mit. Sie müssen einerseits damit klarkommen, daß ihr Modell nicht statisch ist, sondern kleine Bewegungen macht. Und andererseits auch damit, daß da zwei Menschen IN BEZUG zueinander sind.

Was mir als Kursleiterin an dieser Übung auch gut gefällt: dabei lernen sich die Teilnehmer gleich mal etwas besser kennen. Sie haben ja einen halbe Stunde nichts anderes zu tun, als dekorativ dasitzen und miteinander zu sprechen ( in der Modell-Situation entsteht meist auch ein hoher Grad von Wachheit und Bewußtheit).

Claudia-zeichnet-Moni-und-Sandra_im-Café-am See_web
Zeichnung von Claudia Hiepel. Zwei Café-Modelle im Gespräch an der Theke. Später noch koloriert.

Diese entspannte Wachheit teilt sich auch den Zeichnerinnen mit. Sie müssen einerseits damit klarkommen, daß ihr Modell nicht statisch ist, sondern kleine Bewegungen macht. Und andererseits auch damit, daß da zwei Menschen IN BEZUG zueinander sind. Was nochmal ein ganz anderer Anspruch ist, als einen einzelnen Menschen halbwegs anatomisch richtig abzubilden. Hier ist also nicht Perfektion gefragt, sondern flüssiges Reagieren auf die Angebote der Wirklichkeit.

schnelle-Skizzen-Christine-im-Café
lebendige, schön spontane gemischte Skizzenblätter in verschiedensten Zeichentechniken entstehen an diesem Nachmittag. Hier hat Christine mit dem Fineliner skizziert.

 

Zeichnerin1_Skizze-Filzstift_Christine-Theke
Skizze mit farbigem Filzstift

 

Nach jeder Runde wird gewechselt, sodaß jede mal drankommt. Alternativ entstehen auch ein paar kurze „Einzelmodell-Sessions“, wie hier mit Ulli  bei ihren ersten Schritten über die Wasser des Westpark-Sees…

1.Tag_Ulli im See

Oben das Setting am See, unten zwei der Skizzen, die dabei entstanden sind….

und hier noch mal aus der andern Richtung…

Die Endrunde am See besteht dann noch aus einer Foto-Session:

die Kursteilnehmer sollen sich gegenseitig fotografieren, und zwar mit Grimassen, also z.B. so:

Dabei entstehen sehr schnell über 200 Fotos, man beachte neben der kreativen Entspannung vor allem auch die Beweglichkeit des Mundes ( und JA, ich HABE Monika gefragt, ob ich sie SO ins Netz stellen darf !!)

Aus diesen Fotos bastle ich in einer ausgedehnten Nachtschicht die

WarmUp-Übung für den nächsten Tag, nämlich einige Übungsblätter wie dieses:

Mund_Handout5.jpg
Wenn mans besonders gut machen will, dann achtet man beim Fotografieren schon drauf, daß das Licht eher von EINER SEITE kommt ( also nicht direkt von vorn, und schon garnicht mit Blitz, oder auch kein Gegenlicht! Seitliche Beleuchtung erzeugt viel interessanteres asymmetrisches Helldunkel (Falls es jemand auffällt: JA–> das Beispiel rechts unten ist trotz des netten Lächelns nicht so gut fotografiert wie die andern drei, denn durch das Gegenlicht sind Schatten und Lichter zu gleichmäßig verteilt ). Ich wandle die Farbfotos auf schwarz-weiß, das erleichtert beim Zeichnen das Erkennen der hellen und dunklen Stellen.

2. Tag

Wir beginnen den Tag mit einer kurzen Atelierbesprechung: betrachten die Skizzen von gestern nachmittag, lassen den Schädel mal so nebenbei von Hand zu Hand gehen und bearbeiten Fragen. Danach geht es zum Thema des Tages:

Hauptthema für den Vormittag im Atelier: Der Mund

Der Mund ist das allerbeweglichste im menschlichen Gesicht. Dieser Bereich trägt viel Emotion – probiers mal aus:

  • betasten, was ist weich, was ist stabil im Mundbereich ( im Kurs haben wir auch einen menschlichen Schädel, den man noch zusätzlich betrachten und betasten kann)
  • was kann ich alles mit dem Mund? ( erstmal ganz konzeptfrei Bewegungen ausprobieren, ohne daß es was darstellen oder ausdrücken muß)
  • wie wirkt es auf meine Stimmung zurück, wenn ich manche Bewegungen mache? (ein berühmtes Beispiel dafür ist ja das Lächeln: es scheint direkt Heiterkeits-Hormone zu erzeugen, wenn man das Gesicht willkürlich in Lächelhaltung bringt. Und was machen andere Gesichtshaltungen mit mir?

Praktische Übungen zum Mund: jeder bekommt insgesamt 7 Übungsblätter mit „bewegten“ Mündern drauf (aus den Grimassenfotos von gestern entstanden), mit der Aufgabe, sich nach Gusto welche rauszunehmen, und mit Bleistift zu skizzieren.

Dabei entstehen sehr schöne Skizzenblätter so wie dieses:

Münder2
Portraitübung Mund: zeichne einzelne Münder erstmal nach Fotos, versuche dabei die Formen rasch zu erfassen ( stell dir zB eine Eieruhr, oder verwende den Handy-Timer: am Anfang gestattest du dir noch 10 min, aber dann immer weniger). Beim Mund gibt es eine hilfreiche Regel, die fast immer stimmt: Oberlippe dunkel, Unterlippe hell. Bitte selbst im Spiegel oder auf Fotos nachprüfen: stimmt das? Und woher kommt es?

Außerdem hat jede Teilnehmerin eine Staffelei mit Spiegel, wo man die jeweilige Schnute auch selbst nachvollziehen und sich dabei anschauen kann- ich finde das sehr gut und wichtig: so oft wie möglich sich in die körperliche Haltung, die man zeichnet, auch selbst hineinbegeben und sie von innen heraus spüren!

Und dann spalten wir es auf: die fortgeschrittenen Zeichnerinnen können einen sanften Übergang finden, und ihren eigenen Mund live im Spiegel zeichnen,  (ganz schön anspruchsvoll: man muß schnell und spontan zeichnen, weil es ganz unmöglich ist, einen starken emotionalen Ausdruck länger als 2-3 Minuten zu halten… probiert das mal! eine super Übung, die man ohne großen Zeitaufwand schnell mal zwischendurch machen kann!  – und man lernt sich selbst dabei auf eine ganz neue Weise kennen)

Münder1
Portraitübung Mund: den eigenen Mund im Spiegel zeichnen. Weicher Bleistift, 2-3 min pro Mund. Das trainiert schnelles Erfassen und einen lebendigen wachen Duktus ( = die Art, wie man den Stift oder Pinsel bewegt), und hier besonders den Blick auf das emotionale Potential des Mundbereichs.

 

Die Mittagspause verbringen wir im Café Dankl, und finden dort einen fließenden Übergang zur Nachmittagssession: wir verwenden Reste des Espresso zum Lavieren von Personenskizzen:

Lavieren-Mit-Kaffee_im-Cafe_web
Die Bleistiftskizze ( von Claudia Hiepel) wird belebt durch sparsame Flächen, die schlicht mit Kaffee (am besten Espresso, anderer Kaffee ist meistens zu hell!) und Pinsel eingefügt sind. Ein Tip dazu: nimm den Kaffee wirklich nur dort, wo die Dunkelheiten sind, und lasse hell beleuchtete Stellen frei. Hier in der Beispielzeichnung ist die Lavierung des Gesichts gut, während ich mir auf den kaffeebraunen Händen noch etwas mehr weiß gelassene Stellen wünschen würde. Früher hat man solche „lavierten Zeichnungen“ auch mit Sepia ( die tatsächliche braune tintige Flüssigkeit der Tintenfische oder Sepien) gemacht. Oder mit Tinte aus Rosen- und Eichengallen, oder mit „Bister“. Im Grunde kann man jede mitteldunkle, transparente Flüssigkeit verwenden- und da in diesem Workshop unter anderem das flotte spontane Skizzieren von Menschen trainiert wird, gehört natürlich von den Techniken her auch dazu, daß man lernt, sich mit den Materialien zu behelfen, die eben grade zur Hand sind. Wie Kaffee…

Danach gehen wir nach Nebenan in den Park, verteilen uns dort und skizzieren spielende Kinder, Tischtennisspieler, Zeitungsleser, und natürlich auch uns gegenseitig, wenn sich gerade niemand anderer anbietet.