6. Tag : Portraitübungen für das ganze Gesicht, Schattenformen sehen

Selbstportrait_blau.-transform
Ein Selbstportrait, das ich mal vor Jahren zu Übungszwecken gezeichnet habe – es kann gut verdeutlichen, um was es heute am letzten Workshoptag geht: Die Proportionen eines ganzen Gesichts finden ( und zwar ohne Foto, nur im Spiegel) – und die Formen eines relativ stark kontrastierenden Schattens finden und nutzen.

Am Vormittag setzen wir nun die Einzelformen Auge, Nase und Mund zusammen und üben dabei Gesichtsproportion und Zeichentechnik. Jede Zeichnerin hat einen Spiegel neben der Staffelei und zeichnet ein Selbstportrait nach Spiegel. Ich helfe jeder individuell beim Auffinden der richtigen Proportionen – diese sind ja neben den charakteristischen Formen an Auge, Nase und Mund der  Schlüssel zur Portraitähnlichkeit. 

Proportion heißt  lateinisch „Größenverhältnis, Ebenmaß“ , das Größenverhältnis verschiedener Teile eines Ganzen zueinander. Das heißt für die Wahrnehmung beim Zeichnen, daß du eigentlich ständig vergleichen mußt: wie lang ist die Nase im Verhältnis zur Höhe der Stirn? wie breit ist der Mund im Vergleich zur Breite des ganzen Gesichts? Wie breit ist das Gesicht im Vergleicht zu seiner Höhe…

 

Hier verwendet Christine wieder Chiaroscuro, als sie ihr Selbstportrait im Spiegel zeichnet.

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Nachmittags zeichnen wir im Café Kreislauf in der Daiserstraße:

erst eine kleine Warm-Up Übung: den Schatten erkennen und blau kritzeln:

Viele Leute haben Probleme, den Schatten zu zeichnen – weil sie ihn nicht richtig sehen oder erkennen können. Eine gute Übung dazu ist es, ein Schwarzweißfoto zu nehmen, das starke Helldunkel-Kontraste aufweist (evtl kann man die auch noch mit Photoshop oder anderen Bildbearbeitungsmethoden verstärken). Und dann nimm dir einen blauen Buntstift und kritzel einfach mal Blau über alles drüber, was du dunkel siehst! Bei den beiden Bildern oben habe ich versucht, deutlich zu machen, worum es dabei geht: die Dunkelheiten wachsen zu Formen zusammen! Das ist es, was man dabei trainiert und was für einen Zeichner oder Maler von allergrößter Bedeutung ist: die Schatten als beinah eigenständige Formen zu sehen!

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gegenstand selbst dunkel ist, oder die Dunkelheit vom Schatten kommt – beides addiert sich zu der Dunkelheit an jeder Bildstelle! Eigentlich ist es also ungenau, wenn ich dabei vom „Schatten“ spreche – denn es ist immer die Summe von „Dunkelheit des Gegenstandes“ + „eigentlicher Schatten“!

Nach dem Warm Up sitze ich den Teilnehmerinnen für einige etwas längere Skizzen Modell, jeweils zwischen 15 und 30 min. Wir plazieren (sorry für die alte Schreibweise –  ich mag einfach diese gräßliche neue Rechtschreibung nicht!) mich am Fenster, sodaß auf meinem Gesicht und Oberkörper deutliche und dunkle Schatten entstehen. Wir sind fast die einzigen Gäste, sodaß jede Zeichnerin frei den Platz wählen kann.

Und jetzt heißt es zum Abschluß: Gib alles, was du gelernt hast ! 😉  Auge, Nase, Mund, Ohr, Haltung, Richtungen, Proportionen, Schatten, spontan, stimmig, fetzig und flott! Sowieso!

Café-Skizze, aber wo?1000Christine-chiaroscuro_Skizzenblatt



 

OK – wo kann es noch hingehen mit den Schattenformen im Portrait? Das ist ein hyperinteressantes Thema und damit befassen wir uns dann im übernächsten Beitrag!

 

dancing-bliss1
Yasumin Sophia Lermer: „Dancing bliss“        2010-2012, Acryl auf Jute, 150×170 cm

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „6. Tag : Portraitübungen für das ganze Gesicht, Schattenformen sehen

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